Arbeitsmarkt

Hoffnung schaffen

Autor*in: HERBERT FELDKAMP

Für die Idee, jungen Menschen einen erfahrenen „Paten" zur Seite zu stellen, hat der Designer aus Cloppenburg Herbert Feldkamp Dutzende von gestandenen Südoldenburgern gewonnen. Ihr Erfolg: Hunderte von Jugendlichen, die schulisch am Scheidweg standen, hat die Initiative „Jobs für Jugendliche" zu einem guten Start ins Berufsleben begleitet. Jetzt breitet sich die Idee im Norden aus. „Pfiffikus" heißt Feldkamps neuer Verein, der sich um eine berufliche Heimat für junge Südoldenburger kümmert.

Ein Gründer mit Herz für Jugendliche: Der Designer Herbert Feldkamp aus Cloppenburg kümmert sich seit 18 Jahren um Jugendliche, die beruflich Anschluss suchen.   

Cloppenburg. Als ihre Noten absackten, damals in der 8. Klasse der Marienhauptschule, geriet Maren Meyers Traum von einem erzieherischen Beruf in Gefahr: „Vor allem in Mathe und Englisch war ich nicht toll", erzählt die Cloppenburgerin (25) etwas verlegen – bis ihr eine Idee des Cloppenburger Goldschmieds und Designers Herbert Feldkamp einen neuen Weg wies. Feldkamp stellte in der Cloppenburger Schule seine Initiative „Jobs für Jugendliche" vor: Gestandene Erwachsene begleiten schwache Schüler/ innen als Paten bis zum Berufseinstieg – ohne erhobenen Zeigefinger, aber mit praktischen Tipps und echter Zuwendung, mit Disziplin und einem gelebten Vorbild. „Ich war sofort dabei", erinnert sich die 25-Jährige heute: „Ich wollte etwas Neues ausprobieren und suchte Unterstützung." Ihren Paten, den Kunsthistoriker Dr. Martin Feltes, traf sie locker zum Gespräch auf einen Kaffee oder ein Eis, wann immer sie Rat suchte. Feltes vermittelte aber zugleich Praktika in möglichen Wunschberufen.

Eine Frau findet ihren Weg: Ein Pate des Projekts „Jobs für Jugendliche“ half Maren Meyer aus Cloppenburg, ihren beruflichen Traum zu verwirklichen.   

Zudem half eine Initiative, die Feldkamp vor 18 Jahren auf den Weg brachte, mit Workshops, in denen Maren Meyer ihre Talente testen und Bewerbungen professionell proben konnte – alles kostenlos. „Das hat mir viel Selbstbewusstsein gegeben", sagt die junge Frau, die ihren Weg gefunden hat. Als eine der Besten des Jahrgangs schaffte sie den Realschulabschluss, machte ihr Staatsexamen als Erzieherin.

In ihrem Wunschberuf arbeitet die 25-Jährige heute in einem Mutter-Kind-Haus in Barßel, ganz im Norden des Landkreises Cloppenburg. Die sportliche Hobby-Tänzerin macht nebenher eine Zusatzausbildung zur Fachtrainerin in der Gewaltvorbeugung. „Es gibt immer Möglichkeiten, sich weiterzubilden, auch ohne Studium", sagt die junge Frau selbstbewusst: „Ich bin stolz auf meine eigene Entwicklung. Und dankbar." Der Anschub, den die Schülerin spürte, wirkt weiter. „Jobs für Jugendliche" hat inzwischen mehrere tausend junge Leute von schwachen Noten bis zum Schulabschluss und darüber hinaus begleitet, vor allem in Hessen, wo die Geschichte begann, aber auch in Cloppenburg, Friesoythe und Löningen. „Der sichere Einstieg in einen Beruf" ist das erklärte und erreichte Ziel. „Unsere Vermittlungsquoten sind überragend", sagt Feldkamp ohne Übertreibung.

Der Gründer ruht sich auf dem Erfolg nicht aus: Mit seinem neuen Verein „Pfiffikus" baut der Cloppenburger jetzt das bisher eher südlastige Netzwerk nach Norden aus – unter einem neuen „Dach", unter eigener Verantwortung mit engagierten Profis und Ehrenamtlichen. Der ehemalige Landtagsabgeordnete Clemens gr. Macke aus Addrup knüpft im Vorstand die Kontakte zu Schulen und Gemeinden, zu Unternehmern und Sponsoren, die sich für die Zukunft junger Menschen in der Wirtschaft und der Heimat einsetzen wollen. Heidjer Schwegmann ist als 2. Vorsitzende der Fachmann für das inhaltliche Konzept. Denn der Sozialarbeiter und Diplom-Theologe (Jahrgang 1967) führt als Regionalleiter im evangelischen Leiner-Stift die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe.

Den Wahlspruch „Bildung ist Herzenssache" setzen gr. Macke und Schwegmann praktisch um. „Wir dürfen uns nicht ständig darüber beklagen, dass Jugendliche angeblich nicht ausbildungsfähig sind", sagt der Unternehmensberater aus Addrup. „Wir müssen endlich auch etwas dafür tun, dass sich das ändert, ohne auf andere mit dem Finger zu zeigen", fordert der ehemalige Landtagsabgeordnete. Zuvor hat er 16 Jahre lang aus Überzeugung als ehrenamtlicher Botschafter von Feldkamps Bewegung gearbeitet. „Wenn man selbst drei Kinder hat, weiß man, wie wichtig es ist, jungen Menschen eine Perspektive zu geben", betont er. Der Südoldenburger weiß: „Verbunden mit meiner Heimat kann ich nur leben, wenn ich hier eine berufliche Chance finde. Bildung ist Herzenssache – Heimat auch." Deshalb dürfe niemand zurückgelassen werden, der mit ehrenamtlicher Unterstützung seinen Weg in die Gesellschaft finden könne. Die sicherste Grundlage dazu sei immer noch eine gute Ausbildung. Denn: „Wer ausbildet, investiert nicht nur in den eigenen Betrieb, sondern in die Zukunft der Region."

Balanceakt im Team: Mit solchen Workshops vermittelt Feldkamps Initiative den Schülern Selbstvertrauen und Gemeinschaftsgeist   

„Pfiffikus" nutzt dazu einen zweiten Weg, den bereits über 30 Schulen in Cloppenburg, Hessen und Hamburg mit Erfolg gehen: Der „Bildungscampus" (kurz: BC) ist eine bodenständige deutsche Idee – eine freiwillige Partnerschaft zwischen Schule und Wirtschaft, um die Berufsorientierung der Jugendlichen zu fördern. Firmen und Sponsoren werden dabei unterstützt, an ihrem Standort einen eigenen Bildungscampus einzurichten. Der technisch hochklassig ausgerüstete Raum dient ausschließlich der Berufsfindung sowie der Info-Vermittlung in Sachen Ausbildung. Personalchefs und Ausbildungsleiter aus der Region stellen hier in freiwilligen Workshops ihre Ausbildungsangebote und ihre Firma vor. Die Jugendlichen nutzen den Raum zudem selbstständig während und nach der Unterrichtszeit, um sich per PC und Ausbildungsportalen einen Überblick zu verschaffen, was für sie in Frage kommt.

Die Idee reicht über einen reinen Fachraum hinaus. „Für Jugendliche ist das ein Zeichen großer Anerkennung, wenn Chefs zu ihnen kommen und das Gespräch auf Augenhöhe mit ihnen suchen, statt auf eine Bewerbung zu warten", sagt gr. Macke, der als Projektleiter zurzeit in Niedersachsen ein halbes Dutzend dieser Partnerschaften auf die Beine stellt. Haselünne im Emsland wird etwa in einem halben Jahr als nächster BC starten. Ungezählte Kontakte und etliche Praktika sind dank des Schul- und Berufs-Campus entstanden, der beiden Seiten Chancen bietet: Firmen lernen ihren möglichen Nachwuchs persönlich kennen, ehe ein Vertrag geschlossen wird. Jugendliche erkennen rechtzeitig die Lebenswirklichkeit eines Betriebs und ihre Fähigkeiten. „Jede Schule gestaltet das etwas anders, keine Einrichtung ist wie die andere", beschreibt gr. Macke den pädagogischen Freiraum. Denn regionale Besonderheiten und die handelnden Personen prägen die Arbeit. „Das ist genau die Verzahnung aus Bildung und Ausbildung, die wir brauchen", unterstreicht der Pfiffikus-Vorsitzende Herbert Feldkamp.

Für Patenprojekte und Bildungscampus gilt dasselbe einfache (und deshalb so wirksame) Erfolgsrezept: Wertschätzung. „Nur wenn Jugendliche spüren, dass sie geachtet und gebraucht werden, können sie ein starkes Selbstwertgefühl entwickeln und ihren Weg machen", sagt Feldkamp. „Deshalb müssen wir sie ermutigen, sich selbst etwas zuzutrauen." Die Idee entwickelte Feldkamp schon vor 18 Jahren in Nürnberg bei einem Seminar über Unternehmensphilosophie von dem Referenten Klaus Kobjoll. „Wer optimistisch voranblickt, kann für sich etwas schaffen und auch andere ermutigen. Das ist und bleibt meine Lebensphilosophie", sagt Feldkamp. Das überzeugte nicht nur den Seminarleiter, sondern auch andere Teilnehmer, sich zu engagieren.

Anfangs förderte die Gruppe weltweit Schulen und Bildungsprojekte für benachteiligte Jugendliche, von Argentinien über Indien und Portugal. Bis Freunde und Mitglieder nachfragten: „Benachteiligte Jugendliche? Die gibt es doch auch in Deutschland!" Seitdem hat die Initiative Dutzende von Patenprojekte vorangetrieben. Großunternehmen und Prominente wurden aufmerksam und unterstützen diese. Der Anfang zu ähnlicher Prominenz im Norden ist mit der Neugründung des Vereins vielversprechend gewachsen: In der neuen Geschäftsstelle im Gründerbüro der Stadt Cloppenburg sind nach etlichen Rundreisen von gr. Macke durch Schulen und Firmen inzwischen ein Dutzend ernsthafter Anfragen zur Gründung neuer Bildungscampus eingegangen: Von Hannover bis Quakenbrück, von Haselünne bis Lastrup und Bruchhausen-Vilsen. Er ist sicher: „Zum nächsten Schuljahr gehen wir mit einem halben Dutzend neuer Bildungscampus an den Start. Der Pfiffikus ist ein echter Norddeutscher: weltoffen und tatkräftig."

Zu Hilfe kommt dem ehrenamtlichen Projektleiter in der Region eine Südoldenburger-Stärke: Unerledigtes selbst in die Hand nehmen, ohne zu fragen, wer eigentlich zuständig ist und helfen, wo sonst jemand verlorengehen würde. „Die Region ist mit ihren Erfindern und Gründern längst selbst so etwas wie ein großer Bildungscampus", meint gr. Macke. „Und wir leben Gemeinsinn." Dieses Verantwortungsgefühl könne Jugendlichen trotz schwacher Schulleistungen vermittelt werden, ist sich Herbert Feldkamp sicher. Sein Credo: „Jeder Mensch hat eine Fähigkeit, ein Talent, dass er nutzen kann. Er muss aber daran glauben und dafür arbeiten." Wer Jugendlichen etwas zutraue, nehme sie in die Pflicht: „Dann können sie ihr Herz in die Hand nehmen." Der Cloppenburger hat das so oft beobachtet, dass er sich förmlich beschenkt fühlt: „Was wir geben, bekommen wir tausendfach zurück", sagt er. Eine junge Frau namens Maren Meyer würde das glatt unterschreiben.

Verbindung in der Gruppe schaffen: Isolierte Jugendliche finden auch spielerisch zurück ins Netzwerk.   

Kontakt

Pfiffikus e. V.
Herbert Feldkamp (1. Vorsitzender)
Dresdener Straße 1
49661 Cloppenburg
Tel. 04471-5409
info@goldschmiede-feldkamp.de

Clemens gr. Macke
(Projektleiter Bildungs-Campus)
Mobil 0171-3100735

Dörte Brackmann
(Leiterin der Geschäftsstelle Pfiffikus)
Mobil 0162-7645883

Spendenkonto

VR-Bank in Südoldenburg eG
IBAN: DE72 2806 1501 0023 1924 00

Alle Artikel auf einem Blick

Argumente 2020