Argar- und Ernährungswirtschaft

VION. MORE THAN JUST MEAT.

Autor*in: KAI VON BARGEN

Bei Vion in Emstek wird tagtäglich an Perspektiven gearbeitet. Der Standort eines großen niederländischen Fleischkonzerns beschäftigt derzeit mehr als 1.000 Mitarbeiter. Es wird kräftig ausgebildet und an Innovationskraft mangelt es hier auch nicht. Die Produktionsprozesse werden immer optimiert, dafür braucht man qualifiziertes Personal. Deshalb versorgt Vion seit inzwischen mehr als 25 Jahren nicht nur den deutschen Lebensmitteleinzelhandel, sondern auch die internationalen Märkte in Europa, Asien und Nordamerika mit bestem Schweinefleisch aus dem Oldenburger Münsterland. Und die Erfolgsgeschichte geht weiter.

Hygiene, Qualität und Transparenz sind essenziell für die Arbeit bei der Vion Emstek GmbH.   

Als die niedersächsische Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast im vergangenen Jahr auf einen roten Button drückte, war das nicht nur für die Betriebsleitung von Vion in Emstek ein ganz besonderes Ereignis. Mit der von dem Moment an aktivierten Kameraüberwachung in der Produktion und bei der Anlieferung im Stall setzte Vion erneut einen Meilenstein in Bezug auf Transparenz, Kontrolle und Sicherheit. Die Ministerin machte das im Rahmen eines Symposiums mit dem Titel „Lebensmittelketten der Zukunft". Dieses fand bei Vion auf dem Betriebsgelände anlässlich des 25jährigen Jubiläums des Standortes statt. Der Titel war mit Bedacht gewählt, denn ein lebensmittelproduzierendes Unternehmen wie Vion beschäftigt sich intensiv mit nachhaltiger Produktion von Fleisch, mit den Bedürfnissen in dem deutschen Markt, mit der Welternährung bei rasantem Bevölkerungswachstum und wachsendem Fleischbedarf. Welche Strategien Vion entwickelt, um zusammen mit allen Partnern der Wertschöpfungskette vom Landwirt bis zum Verbraucher Lebensmittel bei gleichzeitiger wertschätzender Rücksicht auf die Ressource Umwelt zu produzieren, wurde mit Vertretern aus Politik, Gesellschaft, Landwirtschaft und Industrie diskutiert.

Die geladenen Gäste bekamen zu den Themen Transparenz, Nachhaltigkeit, Tierwohl und Innovation einen ganzen Tag lang wertvolle Informationen aus den unterschiedlichsten Perspektiven.

Der Zukunftsforscher Michael Carl warf zum Beispiel einen globalen Blick auf die Ernährungstrends bis ins Jahr 2050. Frans Stortelder, seinerzeit COO Vion Pork, stellte seine „Good Farming"-Initiative vor, die eine neue Qualität zwischen Landwirten und Fleischunternehmen bedeutet. Der ehemalige niedersächsische Landwirtschaftsminister Uwe Bartels legte ein besonderes Augenmerk auf die Erzeugerregion Oldenburger Münsterland unter dem Aspekt umweltschonende Produktion. Eine erfolgreiche und wegweisende Veranstaltung – bei dieser Einschätzung waren sich alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einig.

Am Standort des niederländischen Fleischkonzerns sind rund 1.000 Menschen beschäftigt.   

Dank an alle Mitarbeitende

Vion hat selbstverständlich auch an die Menschen gedacht, die für den Erfolg des Unternehmens ausschlaggebend sind. Am Tag der offenen Tür wurden alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeladen und durften ihre Familien mitbringen. Das hatte es zuvor noch nie gegeben. „Bei strahlendem Sonnenschein kamen mehr als 3.000 Gäste auf das Betriebsgelände und hatten einen ganzen Tag lang die Gelegenheit in den Betrieb zu schauen oder einfach nur Spaß zu haben", freut sich Geschäftsführer David De Camp über den großen Zuspruch. Mit dabei waren natürlich auch die Auszubildenden; sie hatten verschiedene organisatorische Aufgaben, einen eigenen Stand zum Thema Karriere und natürlich auch Freizeit, um den Tag zu genießen.

Vion hat an in Emstek zurzeit vier Azubis in der Produktion (Mechatroniker) und 12 in der Verwaltung (Industrie-, Groß- und Außenhandelskaufleute). Darüber hinaus begleitet die Vion Emstek GmbH zwei duale Studenten in den Studiengängen B.A. Mechatronik und B.A. Agri Food. Überhaupt legt Vion viel Wert auf Aus- und Weiterbildung. An den bundesweit 19 Standorten bildet das Unternehmen in 20 verschiedenen Ausbildungsberufen aus. Auf einer eigens eingerichteten Website finden Interessierte unter vion-karriere.de alle Angebote und können sich über die Berufsbilder informieren.

Transparenz ist das A und O

Und noch etwas unterscheidet Vion von anderen Betrieben in der Fleischbranche: Bereits vor zwei Jahren starteten die Verantwortlichen die in Deutschland bis dahin einzigartige Transparenz-Initiative. Vion informiert auf einer Website die Öffentlichkeit detailliert über die Prozesse bei der Herstellung von Rind- und Schweinefleisch und stellt fortlaufend Daten von Zertifizierungen, Kontrollen und Audits von allen deutschen Vion-Standorten ins Netz. „Ebenso werden kontinuierlich Angaben zu den amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchungsbefunden der bei Vion angelieferten und geschlachteten Tiere gemacht", ergänzt Dr. Anne Hiller die bei Vion verantwortlich ist für das Qualitätsmanagement und die Transparenz Initiative.

In einem Forum können Fragen gestellt werden – Vion-Experten aus den unterschiedlichen Fachbereichen geben qualifiziert Antworten. Das Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher, der Politik und von verschiedenen Organisationen ist groß und die aktuellen Informationen unter www.vion-transparenz.de werden vielfach aufgerufen.

Vion ist ein internationaler Fleischproduzent mit Produktionsstandorten in den Niederlanden und in Deutschland sowie weltweiten Vertriebsunterstützungsbüros.   

Fleisch für die Welt

Vion in Emstek ist auch dafür bekannt, dass hier hochwertiges Schweinefleisch – unter anderem nach Asien – exportiert wird. Die Welt hat Hunger, und vor allem in Ländern wie China kann der Bedarf aus eigener Kraft nicht gedeckt werden. Die Zertifizierungsvoraussetzungen sind hoch. Die Chinesen legen ganz besonderen Wert auf höchste Qualität, spezielle Zuschnitte und Hygieneanforderungen. In Emstek hat man die begehrte Direkt-Export-Genehmigung seit 2014 und das Geschäft läuft nach wie vor gut. Seit Aufnahme der direkten Geschäftsbeziehungen reisen Manager aus Emstek regelmäßig nach China und sind bei Fachmessen wie „China International Food, Meat and Aquatic Products" in Schanghai für ihre neuen Kunden präsent. Jede Woche produziert Vion Emstek etwa 250 Tonnen speziell zugeschnittene Ware für den chinesischen Markt. Möglich ist das natürlich nur mit der richtigen Infrastruktur: Die eigene Sortierungs- und Verpackungsabteilung für den China-Export wird ständig weiter verbessert und ausgebaut.

Zu Beginn exportierte Vion vor allem typische chinesische Spezialitäten wie Köpfe, Füße und Knochen von Schweinen. Das Sortiment hat sich in den vergangenen Jahren geändert und erweitert: Jetzt liefert Vion auch Bäuche mit Knochen, Vorderviertel, Schultern und sogar Schinken nach China.

Vion beliefert Kunden in seinen Heimatmärkten, in den Niederlanden, Deutschland sowie in anderen europäischen Ländern und weltweit auf allen Märkten.   

Nach China kam Japan

Erst gaben sich reihenweise japanische Delegationen in Emstek die Klinke in die Hand und begutachteten jedes Detail im Produktionsprozess. Ein eigens zusammengestelltes Vion-Projektteam bereitete alles vor, um die weltweit strengsten gesetzlichen Bestimmungen zu erfüllen. Am Ende des sehr strengen Auditierungsverfahrens passte alles, und der Ausfuhr von heimischer Ware ins ferne Kaiserreich stand nichts mehr im Wege. Dabei bevorzugen japanische Verbraucher eine absolute Spitzenqualität. Bäuche, Nacken und Lachse mögen sie besonders gern. Das Fleisch wird tiefgefroren, in Kartons verpackt und dann im Kühlcontainer per Schiff nach Asien transportiert. Kunden für das Schweinefleisch aus Emstek sind Betriebe
der japanischen Fleischwarenindustrie sowie Foodservice-Zentren.

„Die besonders hohen Ansprüche der Lieferungen nach Japan bilden sich schon in unserer Verarbeitung ab", schildert David De Camp die Details. In einem speziellen Kontrollraum und unter extrem hellen Blaulicht wird die Ware vor der Verpackung und dem Versand noch einmal extra auf eventuelle Rückstände oder Abweichungen untersucht.

„Die Verbraucher in Japan akzeptieren nur makellose Ware. Sie sind mit dem von Vion aus dem Oldenburger Münsterland gelieferten Schweinefleisch sehr zufrieden", weiß Emstek-Betriebsleiter Frank Moorkamp. Außer China und Japan bekommen auch andere Exportmärkte für Vion eine immer größere Bedeutung. Es kommen neue Länder hinzu, traditionelle Märkte behaupten sich oder wachsen. Neben Vietnam, Griechenland und Südeuropa ist auch Südkorea einer der Märkte, die das Fleisch von hier haben wollen – natürlich mit besonderen Zuschnitten, die hier wohl gehütet werden. Das ist Expertenwissen gepaart mit handwerklichem Geschick – made in Emstek.

Blick ins Kühlhaus: Emstek liegt im Oldenburger Münsterland in einer der wichtigsten europäischen Produktionsregionen für Schweinefleisch. Im Schnitt beträgt die Entfernung vom Stall zum Vion-Betrieb nur 50 Kilometer.   

Innovation auf vielen Gebieten

„Früher gab es hier am Standort Emstek richtige Staus: Jeder wollte als erster drankommen, seine Tiere abladen und es kam zu Wartezeiten", fasst Tierwohlmanager Dr. Stefan Kruse die einstige Situation zusammen. So ist sie auch heute noch an vielen anderen Schlachtbetrieben Alltag.

Bei Vion indes können die Lieferanten seit ein paar Jahren mit festen Abladezeiten planen. Sie tragen sich dazu am Tag zuvor in ein digitales Zeitfenster ein. Kruse, der auch gleichzeitig Projektleiter für das Tierschutzlabel ist, sagt: „Unser neues System bringt auf vielen Ebenen Vorteile. Die kürzeren Wartezeiten tun natürlich auch den Tieren gut, die nicht zu lange auf den Lkw sind." Auch für die Lieferanten sind kürzere Wartezeiten ein Gewinn. Denn ein Lkw, der fährt, verdient Geld; einer der parkt, kostet nur.

Von dem neuen „Pig Slots" genannten Logistiksystem profitiert natürlich auch der Schlachtbetrieb Emstek. Nach der Eingewöhnungs- und Übergangszeit haben die Anlieferungsunternehmen „Pig Slots" längst akzeptiert und nutzen es fleißig.

In Emstek werden pro Tag zwischen 5 Uhr morgens und 23 Uhr abends 11.000 Schweine angeliefert – im Schnitt sind das 70.000 in der Woche. Das ist viel Arbeit, setzt eine ausgeklügelte Logistik und die Erschließung immer wieder neuer Märkte voraus und bedingt die ständige Qualifizierung des Personals.

„Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen ran – so wie wir in der Verwaltung und im Management auch, Tag für Tag. Und wenn es gut läuft, sind alle stolz, wenn sie nach Hause gehen und kommen am nächsten Tag gerne wieder" – so einfach und so positiv ist das Erfolgsrezept von Vion-Emstek-Geschäftsführer David De Camp. Und natürlich gilt das auch für ihn selbst.

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