Die Welt zusammenschmieden

Alfred Bullermann hat viele Eisen im Feuer

„Wenn man sieht, wieviel das gemeinsame Schmieden den Menschen gibt, das ist toll!" sagt Alfred Bullermann. Wie in Italien, als bei einer gemeinsamen Aktion mit Nachwuchsschmieden ein Tor für einen Kindergarten entstanden ist. Der Stolz der Kinder, wenn sie sehen, wie aus ihren eigenen Zeichnungen ein Werk für die Ewigkeit entsteht – unbezahlbar. „Das Erleben solcher Projekte prägt für das ganze Leben", ist Bullermann überzeugt. Und er hat noch mehr Eisen im Feuer...

Von Bösel in die Welt

„Lern' erstmal was Ordentliches" hatte der Vater geraten. ‚Lehrer für Kunst und Werken' gehörte seiner Zeit nicht dazu. So ging es für den Böseler Alfred Bullermann nach der Schulzeit in die Dorfschmiede, statt zur Universität. Doch ihn packte das Feuer. Es packte ihn so sehr, dass er, über Umwege, den Weg zur Meisterschule fand und schließlich Design studierte. Im dortigen Werkstattmeister fand er einen Lehrer fürs Leben. Als Bullermann im Anschluss in ‚freier Wanderschaft' durch die Welt zog, konnte er von dessen zahlreichen Kontakten profitieren. Eine abenteuerliche Zeit, die ihn geprägt hat.

Zurück im Oldenburger Münsterland, mit Familie und eigenem Schmiedeatelier, wirken diese Erfahrungen weiter. „Ich bin immer auf der Suche nach interessanten Menschen, die mir interessante Arbeiten ermöglichen" erklärt Bullermann seinen Antrieb. Der kreative Entwicklungsprozess mit dem Kunden ist das, was ihn reizt. Ob das Ergebnis ein Fingerring oder eine Skulptur ist, ist dabei Nebensache. Er sieht sich als gestalterischer Handwerker. Schmied eben. Aber auch nicht nur Schmied.

Schmieden für den Frieden

„Wir Schmiede müssen ein Zeichen setzen gegen den Krieg" war Bullermanns Reaktion, als ein befreundeter Kollege im Ukraine Konflikt seine Werkstatt verlor. Gesagt, getan. Bullermann setzte alle Hebel in Bewegung und bald schufen 40 Schmiede aus 19 Nationen in Vechta eine Friedensskulptur aus Panzerstahl. Und das war nur der Anfang.

„Wenn er Europa zusammenschmieden will, kommt er an mir nicht vorbei"

Denn auch eine besondere Freundschaft ist aus dieser Aktion entstanden. Die zu Schauspieler Heinz Hoenig. Der hatte in einem Interview gesagt, irgendwann werde er Europa zusammenschmieden. Für Bullermann eine Steilvorlage. „Wenn er Europa zusammenschmieden will, kommt er an mir nicht vorbei", teilte er dem Management mit. Mittlerweile ist Hoenig ein guter Freund der Familie und mit Bullermann Initiator der Aktion ‚Friedensnägel'. Schmiede auf der ganzen Welt schmieden gemeinsam mit Prominenten eiserne Nägel für den guten Zweck. Geprägt mit einer Friedenstaube, entworfen in Friesoythe. Zuletzt waren 70 Schmiede aus ganz Europa vor dem Kölner Dom für das Projekt aktiv.

Stadtbild geschmiedet

Mit seinen Aktionen und Skulpturen leistet Alfred Bullermann einen großen Beitrag zur Profilierung der ‚Eisenstadt Friesoythe'. Entstanden bei Gemeinschaftsaktionen oder als Auftragsarbeiten, entdeckt man an vielen Orten metallene Zeugnisse einer modernen Interpretation der Stadtgeschichte. Und wenn der Schmied beim Eisenfest die historische Eisenverhüttung im Rennofen vorführt, lässt er regionale Geschichte lebendig werden.

Flammen an der Spitze

Eine besondere Ehre war Bullermann die Anfertigung des Bischofsstabes für den neuen Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer. Bescheiden sollte der Stab wirken, dabei auch Aufmerksamkeit erregen, Bearbeitungsspuren Zeugnis der Handarbeit sein. Ergebnis der Gespräche und Bullermanns kreativer Arbeit ist ein Stab mit einer einzigartigen Krümme: einem Quader, aus dem drei geschmiedete Flammen schlagen.

Wer kennt Udo Lindenberg?

Die nächsten Projekte? Dürfen noch nicht verraten werden. Eine Bitte hätte Alfred Bullermann aber noch: „Udo Lindenberg hat noch keinen Friedensnagel geschmiedet. Wenn da jemand den Kontakt herstellen könnte, dass wäre großartig für unsere Aktion."