Der „Groschen“ fällt gleich fünfmal

LzO vergibt 10.000 Euro für verständliche Wissenschaftskommunikation

Veröffentlicht: 13. Juni 2018

Oldenburg. Der 32-jährige Dr. Sebastian Wilken, Postdoktorand am Institut für Physik der Universität Oldenburg, erhält in diesem Jahr den „groschen 2018“. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis der LzO ist eine wichtige Auszeichnung für Wissenschaftskommunikation. Er würdigt die Fähigkeit, Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeit für jedermann verständlich und kreativ zu vermitteln - so, dass bei jedem sprichwörtlich der „Groschen fällt“.

„Wissenschaft hat eine hohe Relevanz für die Gesellschaft. Deshalb ist es wichtig, wie wir darüber kommunizieren“, so Gerhard Fiand, Vorsitzender des Vorstands der LzO und Jurypräsident, anlässlich der Abschlussveranstaltung zum „groschen 2018, die am Montag vor über 200 Gästen in der LzO-Zentrale in Oldenburg unter der Moderation von Prof. Rainer Lisowski stattfand.

„Warum arbeiten organische Solarzellen bislang weniger effizient als ihre anorganischen Pendants?“ Dieser und weiteren Fragen hatte sich Dr. Wilken in seiner Dissertation gewidmet. Er bildete in seiner Arbeit die komplexen Vorgänge in einer organischen Zelle ab und fand heraus, dass sich eine bestimmte Phase bilden muss, damit organische Solarzellen besser und effektiver funktionieren als Solarzellen aus Silizium. Er überzeugte die Jury auf der Veranstaltung mit seiner anschaulichen und unterhaltsamen Art, die Inhalte und Ergebnisse seiner Arbeit darzulegen.

21 Bewerbungen um den begehrten Preis
Bereits zum fünften Mal hatte die LzO den „groschen“ ausgeschrieben. 21 Bewerber/innen von den Universitäten Oldenburg und Vechta sowie der Jade Hochschule waren dem Aufruf gefolgt und hatten sich mit ihren Bachelor-, Master-, Doktorarbeiten oder abgeschlossenen Forschungsprojekten beworben. Die Aufgabe bestand darin, auf maximal drei DIN-A4-Seiten die Ergebnisse ihrer Arbeiten allge-meinverständlich zusammenzufassen.

Aus den 21 Bewerbungen wählte die Jury folgende fünf Finalisten für die Endrunde aus:

• Anne Depping, Universität Oldenburg
„Die ´Virtual Compass Brille´ der Zugvögel“
• Dr. Jan Michalsky, Universität Oldenburg
„Gleich und gleich gesellt sich, doch Gegensätze ziehen sich an! Wie der Klang der Stimme unsere Gesprächspartner beeinflusst““
• Jannik Ehrich, Universität Oldenburg
„Winzige Wahrsager: Die Thermodynamik prädiktiver Information“
• Robin Rofallski, Jade-Hochschule
„Die Kunst der Seifenblasenvermessung – Ein Kochrezept“
• Dr. Sebastian Wilken, Universität Oldenburg
„Rekombination in organischen Solarzellen: Auf die Sauce kommt´s an“

Wissenschaftliche Zusammenhänge in nur 8 Minuten
Auf der Abschlussveranstaltung hatten die Finalisten genau acht Minuten Zeit, der Jury und dem Publikum ihre Arbeiten zu präsentieren. Gefragt waren eine verständliche und kreative Präsentationsform. Auch der sprachliche Ausdruck wurde bewertet. Dr. Wilken gelang dieses am besten.
„Alle Finalisten haben ein hohes Maß an Qualität und Kreativität gezeigt“, so Fiand bei der Begründung der Juryentscheidung. Gleich fünfmal sei der „Groschen“ bei den Jurymitgliedern gefallen. Gleichwohl galt es, sich zu entscheiden. „Den Ausschlag hat letztlich die klare und sehr gut verständliche Form der Präsentation von Dr. Wilken gegeben“, begründete der Jurypräsident die Entscheidung. Der glückliche Preisträger kann sich nun über 10.000 Euro von der LzO freuen.

Publikumspreis ging an Anne Depping
Die Kandidaten mussten an dem Abend nicht nur die Jury überzeugen. Auch das Publikum konnte seinen Favoriten bestimmen. Der von der LzO zusätzlich mit 1.000 Euro dotierte Publikumspreis ging an die 33-jährige Anne Depping. Sie referierte über den Orientierungssinn von Zugvögeln und stellte fest, dass Zugvögel auf ihren Langstreckenflügen neben der Sonne und den Sternen auch das Erdmagnetfeld mit Hilfe eines magnetsensitiven Moleküls nutzen. Auch sie überzeugte mit einer kreativen und einleuchtenden Präsentation.

„Eigentlich sind heute alle Finalisten Gewinner“, sagte Fiand. Schließlich hätten alle Kandidaten den Mut und die Entschlossenheit aufgebracht, sich dem Publikum und der Jury zu stellen. Die LzO übergab daher weitere 500 Euro an jeden Finalisten.

Fachkundige Jury aus den Bereichen Wissenschaft, Wirtschaft und Presse
Die Jury setzte sich aus Vertreterinnen und Vertretern der Hochschulen, der Wirtschaft und der Presse wie folgt zusammen:

• Gerhard Fiand, Vorsitzender des Vorstands der LzO und Jurypräsident
• Dr. Corinna Dahm-Brey, Leiterin Presse & Kommunikation der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
• Prof. Dr. Esther Ruigendijk, Vizepräsidentin für Wissenschaftlichen Nachwuchs und Internati-onales an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (stellvertretend für Prof. Dr. Dr. Hans Michael Piper, Präsident der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg)
• Jürgen Lehmann, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Oldenburg e.V.
• Dr. Joachim Peters, Hauptgeschäftsführer der Oldenburgischen IHK
• Lars Reckermann, Chefredakteur der Nordwest-Zeitung
• Prof. Dr. Burghart Schmidt, Präsident der Universität Vechta
• Prof. Dr.-Ing. Manfred Weisensee, Präsident der Jade Hochschule