Gerontologie

Ausgezeichnete Forschung für das Leben im Alter

23.01.2026
Autorin: Alke zur Mühlen

Mit Bachelor- und Masterabschluss ist der Studiengang Gerontologie (Altersforschung) an der Universität Vechta ein Aushängeschild für den gesamten Nordwesten. Das würdigt auch die Stadt: Bereits seit 1994 zeichnet sie alljährlich die besten Absolventinnen und Absolventen mit dem Gerontologiepreis aus.

Harald Koch, Johann Theesen, Norbert Winter: So hießen die ersten drei Studierenden, die 1994 für ihre Abschlussarbeiten mit dem neu geschaffenen Vechtaer Gerontologiepreis geehrt wurden. Sie befassten sich mit Fragen der Isolation, dem gesellschaftlichen Umgang mit – wie es damals hieß – „verwirrten Alten“ und der Pflege von Angehörigen „unter besonderer Berücksichtigung der Frau“. Die Themen haben sich geändert, der Preis ist geblieben.

Foto: Vechtas stellvertretender Bürgermeister Philip Wilming mit den Preisträgerinnen Emmi Lotte Grunz, Lea-Leonie Groß und Fiona Sophie Buschmann

Klarer Blick für die Umsetzbarkeit

Im Dezember 2025 wurden die Absolventinnen Emmi Lotte Grunz, Fiona Sophie Buschmann und Lea-Leonie Groß ausgezeichnet. Ihre Arbeiten könnten „aktueller und relevanter kaum sein“, betonte Vechtas stellvertretender Bürgermeister Philip Wilming. Sie verbinden wissenschaftliche Präzision mit einem klaren Blick für die praktische Umsetzbarkeit und zeigen eindrucksvoll, „wie wissenschaftliche Forschung und praktische Relevanz Hand in Hand gehen können“.

Emmi Lotte Grunz untersuchte in ihrer Bachelorarbeit „Betreuungsangebote für Menschen mit Demenz: Ein Vergleich zwischen Deutschland und den Niederlanden“ die Rahmenbedingungen der Versorgung in beiden Ländern. Besonders anschaulich stellte sie innovative niederländische Konzepte vor – etwa das „Demenzdorf“ oder Pflegebauernhöfe – und leitete daraus Impulse für demenzsensible Angebote in Deutschland ab. Die Arbeit wurde mit der Note 1,0 bewertet.

Tabuthema: alkoholbezogenen Störungen

Fiona Sophie Buschmann erhielt eine Auszeichnung für ihre Masterarbeit zu alkoholbezogenen Störungen im Alter in stationären Einrichtungen. Das Thema wird häufig tabuisiert und wissenschaftlich vergleichsweise wenig beleuchtet. Sie führte eine qualitative Interviewstudie durch und entwickelte ein niedrigschwelliges Konzept, mit dem sich spezialisierte Ansätze auf reguläre Pflegeeinrichtungen übertragen lassen. Dafür gab es ebenfalls die Note 1,0.

Lea-Leonie Groß widmete sich in ihrer Masterarbeit der mobilen geriatrischen Rehabilitation (MGR). Dabei handelt es sich um eine innovative Versorgungsform, die bislang wenig verbreitet ist. In Interviews mit Expertinnen und Experten identifizierte sie Hemmnisse wie rechtliche Unsicherheiten, fehlende Standards und ökonomische Risiken. Zugleich zeigte sie Potenziale der MGR auf, etwa weniger Krankenhauseinweisungen und mehr Selbstständigkeit älterer Menschen zu Hause. Auch hier lautet die Note „sehr gut“.

 

Gerontologie Bei der Abschlussfeier des Studienfachs präsentierten die Absolventinnen und der Absolvent stolz ihre Urkunden.

Berufschancen nach dem Studium

Wer heute Gerontologie studiert, entscheidet sich für ein Fach, das mitten in eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte führt: das Altern. Die Berufschancen sind entsprechend breit. Und sie wachsen. Denn mit der älter werdenden Bevölkerung steigt der Bedarf an Menschen, die Pflege und Gesundheit ebenso verstehen wie die sozialen, organisatorischen und politischen Folgen des demografischen Wandels. Gefragt sind Fachkräfte, die Versorgung mitdenken, Angebote koordinieren, Strukturen weiterentwickeln und dazu beitragen, dass ältere Menschen möglichst lange selbstbestimmt und gut eingebunden leben können.

Wichtigster Erfolgsfaktor für den beruflichen Einstieg ist die Profilbildung: Gerontologie öffnet viele Türen, doch der Einstieg gelingt leichter, wenn man Schwerpunkte setzt – etwa im Management, bei Kommunen, in Beratung oder Forschung. Für Leitungspositionen gilt häufig: Mit einem Masterabschluss steigen die Chancen deutlich. Insgesamt ist Gerontologie ein Studium mit Zukunft – auch und gerade in Vechta.

„Hier zeigt sich eindrucksvoll, wie wissenschaftliche Forschung und praktische Relevanz Hand in Hand gehen können.“ - Philip Wilming

Ein Vorlesungssaal einer Universität © pixabay

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