Rückkehr in die Region

Zurück zu den Wurzeln

07.07.2025
Autor: Claus Spitzer-Ewersmann

Man sieht sich immer zweimal im Leben. Ein Satz, den man oft beiläufig sagt. Und doch steckt darin eine stille Wahrheit. Ursprünglich auf zwischenmenschliche Begegnungen gemünzt, gewinnt er eine weitere Facette, wenn man ihn auf berufliche Wege überträgt. Besonders unter Medizinerinnen und Medizinern.

Er sei schon immer heimatverbunden gewesen, sagt Dr. Ansgar Blömer. So habe er nie daran gezweifelt, nach dem Medizinstudium an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel ins Oldenburger Münsterland zurückzukehren. Trotz der hohen Lebensqualität an der Förde. Zurück in der Heimat begann sein beruflicher Weg als Assistenzarzt am St.-Josefs-Hospital in Cloppenburg, später führte er ihn in die St.-Anna-Klinik in Löningen, seiner Geburtsstadt. 1999 übernahm er dort die hausärztliche Praxis seines Vaters Dr. Erich Blömer.

Zurückkommen heißt Ankommen

Einen solchen Weg gehen viele. Nach Jahren in der Ferne, nach Nachtdiensten, Prüfungen, Facharztausbildung und urbanem Alltag keimt bei vielen Ärztinnen und Ärzten der Gedanke an eine Kehrtwende. Zurück zu den Wurzeln, dorthin, wo man aufgewachsen ist. Zur Familie, zu einem Lebensrhythmus, der weniger Taktung kennt. Und nicht zuletzt dorthin, wo ärztliche Versorgung heute dringend gebraucht wird. Denn der vielzitierte Ärztemangel trifft weit weniger die Ballungsräume als die ländlichen Regionen und Kleinstädte.

Ein Beispiel dafür ist Catharina Kulla-Vornhagen, Zahnärztin in Bakum. „Nach dem Studium in Münster habe ich zunächst angestellt in Osnabrück gearbeitet“, erzählt sie. Doch die Rückkehr nach Bakum habe sie stets im Blick gehabt und schließlich gemeinsam mit ihrem Mann in die Tat umgesetzt. „Ich finde es gut und wichtig für die persönliche Entwicklung, mal außerhalb der gewohnten Homezone zu leben. Umso mehr schätzt man anschließend, was man an der Heimat hat.“

Vertrautheit schafft Vertrauen

Es liegt auf der Hand: Wer in die Heimat zurückkehrt, bringt mehr mit als fachliche Expertise – nämlich Vertrautheit, Verlässlichkeit und echtes Verständnis für die Menschen vor Ort. Oft ist da auch eine persönliche Verbindung, vielleicht sogar die Erinnerung an eigene Besuche in derselben Praxis oder Klinik als Kind. Michael Timphus, Hausarzt in Lohne und bekennendes „Land-Ei“, gewinnt genau daraus Kraft und Motivation: „Ich mag es, dass man sich kennt. Dass man miteinander spricht, wenn man sich irgendwo trifft. Dass man sich schnell duzt.“ In dieser Nähe entstehe von Anfang an eine andere, wärmere Atmosphäre – ganz anders als in einer anonymen Stadtpraxis.

Michael Timphus  

„Ich mag es, dass man sich kennt. Dass man miteinander spricht, wenn man sich irgendwo trifft. Dass man sich schnell duzt.“

Region mit Perspektive

Zurück nach Löningen zu Dr. Ansgar Blömer. „Der Ärztemangel ist zweifellos eine große Herausforderung – aber sie ist erklärbar“, sagt der erfahrene Hausarzt. Laut Kassenärztlicher Vereinigung liegt das Durchschnittsalter der Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen bei rund 55 Jahren, in ländlichen Regionen oft noch deutlich darüber.

Gerade darin sieht Dr. Blömer jedoch auch Chancen, vor allem für junge Medizinerinnen und Mediziner: „In unserer Region lassen sich vergleichsweise schnell berufliche Perspektiven aufbauen.“ Wer sich niederlasse, finde nicht nur gute Voraussetzungen vor, sondern auch ein unterstützendes Umfeld.

Und noch ein Punkt liegt ihm am Herzen: „Im ländlichen Raum genießen Ärztinnen und Ärzte anders als in vielen Großstädten nach wie vor ein hohes Ansehen.“ Die Wertschätzung sei spürbar. „Die Patientinnen und Patienten sind dankbar, wenn man sich um sie kümmert.“

Ausbildung mit Zukunft

Dr. Blömer und seine Kolleginnen und Kollegen blicken optimistisch in die Zukunft – nicht zuletzt, weil sich in der Ausbildung junger Medizinerinnen und Mediziner einiges bewegt. So wird zum Wintersemester 2026/27 die Zahl der Studienplätze an der Universitätsmedizin Oldenburg um 80 erhöht. Ein wichtiger Schritt, um langfristig mehr ärztlichen Nachwuchs für die Region zu gewinnen. Auch die Löninger Praxis von Dr. Blömer ist Teil dieser Entwicklung: Als akkreditierte Akademische Lehrpraxis der European Medical School bietet sie – wie viele andere in der Region – Medizinstudierenden die Möglichkeit zur Hospitation und praktischen Erfahrung.

Zuversicht gibt zudem die sogenannte Landarztquote, die 2023 in Niedersachsen eingeführt wurde und bislang erfreulich gut angenommen wird. Pro Jahr stehen dadurch 60 Studienplätze in der Humanmedizin für Bewerberinnen und Bewerber zur Verfügung, die sich verpflichten, nach abgeschlossenem Studium und Weiterbildung für mindestens zehn Jahre in einer Praxis im ländlichen Raum tätig zu sein. Ein Modell, das Perspektiven schafft – für den Nachwuchs ebenso wie für die Versorgung.

„Im ländlichen Raum genießen Ärztinnen und Ärzte anders als in vielen Großstädten nach wie vor ein hohes Ansehen.“               - Dr. Ansgar Blömer

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