Schmackhafte Traditionspflege im Oldenburger Münsterland

Süßes Brot und herzhafter Schinken, das will auf den ersten Blick nicht recht zusammenpassen. Dabei handelt es sich beim Kilmerstuten um das kulinarische Markenzeichen des Oldenburger Münsterlandes. Gerade in diesen Tagen füllt der Kilmerstuten kulinarisch gesehen eine Lücke. Denn die Spargel- und Erdbeerzeit ist vorbei, die Grünkohlsaison hat aber noch nicht angefangen.

Oberflächlich betrachtet handelt es sich beim Kilmerstuten um ein einfaches, etwas zu groß geratenes Rosinenbrot. Doch das Gebäck hat seine ganz eigene Geschichte. Nach der Geburt eines Kindes hüllten früher Taufpaten oder auch Nachbarn einen Stuten in einen blau- oder rotkarierten Kissenbezug und überbrachten ihn den jungen Eltern, kaum dass die Mutter das Wochenbett verlassen hatte – ein Akt der Nachbarschaftshilfe. Diese Tradition lebt bis heute fort. Immer noch kleidet sich die Runde vornehmlich schwarz-weiß, die Herren holen oft sogar den Zylinder aus dem Schrank.

Und die Bäcker in der Region freuen sich über regelmäßige Aufträge. So vergeht keine Woche, ohne dass der Vechtaer Bäckermeister Thomas Meyer nicht mindestens einen großen Laib formt. Hinein kommen stets die gleichen Zutaten: Mehl, Butter, Eier, Hefe, Salz, Milch, Zucker und natürlich ganz viele Rosinen. Im Gegensatz zu vielen Kollegen gibt Meyer auch noch eine Handvoll Mandeln hinzu. Das fertige Produkt wandert vom Ofen geradewegs auf ein Brett oder eine Leiter mit vier Griffen, denn es muss ja noch auf einigen freiwilligen Umwegen zum Ziel getragen werden. Vorher schreibt Bäcker Meyer noch mit Zuckerglasur den Namen des Neugeborenen auf den Kilmerstuten, nicht etwa, weil er vergessen werden könnte, sondern weil auch das gute Tradition ist. Was folgt, ist ein geselliges Ereignis ganz eigener Art, das – im Nachgang nicht selten mit dem Adjektiv „feucht-fröhlich“ umschrieben – im Hause der Eltern endet. Hier wird der Kilmerstuten dann auch endlich angeschnitten.

Übrigens: Der längste Kilmerstuten der Welt soll im Jahre 2006 in der Gemeinde Holdorf verzehrt worden sein. Er hatte eine Länge von 20,06 Metern. Seit 2010 ist der „Original Kilmerstuten Oldenburger Münsterland“ auch markenrechtlich geschützt (www.kilmerstuten.de).

Weitere Informationen und den O-Ton des Bäckermeisters finden Sie auch auf der Internetseite des Verbundes Oldenburger Münsterland unter www.oldenburger-muensterland.de/tourismus/entdecken-erleben/kultur-leben/brauchtum/kilmerstuten