Seit 50 Jahren beantworten ehrenamtliche Helfer aus Nikolausdorf im Oldenburger Münsterland Briefe von Kindern an den Nikolaus oder das Christkind. Auch in diesem Jahr werden in Deutschlands kleinstem Weihnachtspostamt wieder Tausende von Anfragen erwartet. Diese werden vom 23. November bis kurz vor Weihnachten von dem etwa 20-köpfigen Team des Nikolauses beantwortet. Die Deutsche Post AG unterstützt die Aktion mit Briefmarken und einem Sonderstempel.

Lange Zeit galten Briefe an den Nikolaus oder das Chistkind als unzustellbar – bis sich 1965 die Posthalterin und der Schulleiter in Nikolausdorf der Sache annahmen. Sie beantworteten die ersten Briefe, die in dem Dorf landeten, eine Tageszeitung berichtete darüber, und schon bald darauf musste der Nikolaus ein irdisches Büro eröffnen. Es ist untergebracht im Pfarrheim. Dort treffen sich seine Engel. Es ist ein buntes Team, Hausfrauen, Angestellte, Studenten. Leiter des Büros ist Hubert Weddehage, im zivilen Leben Steuerberater (62), ihm zur Seite steht Sohn Jörg (36).

Die ersten Briefe kommen meist aus dem Ausland, 2015 waren es allein etwa 1.000 aus China. Auch kommen jedes Jahr mehrere hundert Briefe von Sammlern, die es auf den Sonderstempel abgesehen haben. Die meisten Briefe werden aber immer noch von Kindern geschrieben. Viele legen ein selbstgemaltes Bild bei. Fast immer werden auch Wünsche geäußert. Puppen und Plüschpferde sind bis heute die Klassiker bei den Mädchen. Die Jungen favorisieren Fanartikel ihrer Lieblingsvereine oder Autos. Dazu kommt seit einigen Jahren geschlechterübergreifend ein „Standardwunsch“, sagt Jörg Weddehage: „Sobald die Kinder selber schreiben können, ist ein Handy dabei”. Manche Kinder machen sich auch die Mühe und schneiden ihre Wünsche aus einem Katalog aus – mitsamt Bestellnummer und Preisangabe.
Wurde anfangs noch jeder Brief handschriftlich beantwortet, so gibt es heute Vordrucke. Zum Kugelschreiber greifen die ehrenamtlichen Helfer nur, wenn Kinder von größeren Sorgen und Nöten in der Familie oder Schule berichten. Jörg Weddehage erinnert sich an einen Brief, in dem die Krebserkrankung eines Vaters befürchten ließ, dass dieser „Weihnachten nicht überlebt”. Dann verfassen ein oder zwei Mitarbeiterinnen eine persönliche Antwort. Bis kurz vor Weihnachten sind die überwiegend weiblichen Engel aktiv, von montags bis freitags an jedem Abend bis zu zwei Stunden. Nur am 6. Dezember ist das Büro geschlossen – dann kommt der Nikolaus.
Übrigens: Seinen Namen verdankt der kleine Ort nicht dem Heiligen Nikolaus, sondern dem Großherzog von Oldenburg. Doch das ist den Kindern dieser Welt seit 50 Jahren egal.

Fotonachweis: Nordwest-Zeitung, Peter Linkert