Themen-Tour durch das Oldenburger Münsterland

Ähren wiegen sich im Wind, die Gelb- und Grüntöne dominieren – das Oldenburger Münsterland ist ein Getreideland. Hier reift das Korn heran, aus dem später Brot wird. Wie genau, das kann man sich ansehen: bei einer Radtour auf der Boxenstopp-Route, einem rund 300 Kilometer langen Rundkurs durch die abwechslungsreiche Region im Städtedreieck Bremen-Oldenburg-Osnabrück.

Der Weg führt vorbei am Getreidegarten von Paul Arlinghaus. Am Ortsrand von Dinklage hat der Landwirt vor allem historische Arten angepflanzt, zum Beispiel Einkorn, Dinkel oder Emmer. Und natürlich Buchweizen, auch wenn das kein Getreide ist, sondern ein Knöterichgewächs. Der schönste Anblick – zumindest für Nicht-Landwirte – ist das Feld in der Mitte, nicht zuletzt dank Kornblume und Klatschmohn. „Ein Ackerbauer würde vielleicht sagen: Das ist Unkraut. Für mich ist das ein wunderschönes Blumenfeld“, sagt Arlinghaus. Jedes Jahr im Sommer wird der Getreidegarten von Paul Arlinghaus zu einem beliebten außerschulischen Lernort. Aber auch Familien mit Kindern bekommen bei Arlinghaus eine willkommene Nachhilfe und manchmal auch eine Schippe in die Hand. Anschließend geht es auf dem „Getreidepfad“ zu einer Scheune, in der die Ausstellung „Vom Korn zum Brot“ die Geschichte des Getreideanbaus dokumentiert. Der Rundgang endet bei der Schweger Mühle, einer Galerie-Holländer-Windmühle. Im Backhaus gleich nebenan wird auch heute noch Schwarzbrot gebacken, wenn auch nur an ausgewählten Tagen. Mittwochs und an Wochenenden kann man sich dafür gleich nebenan im Café auf Bussjans Hof stärken, der Klassiker hier: leckere Schwarzbrottorte. Ebenfalls sehr nahrhaft: die Buchweizentorte.

Buchweizen war früher für Moorbauern das Grundnahrungsmittel schlechthin. Im Naturschutz- und Informationszentrum Goldenstedter Moor wird er auch heute noch serviert – als Pfannkuchen. Wobei das vielleicht noch das schwächste Argument für einen Besuch ist, schließlich lockt auch die Fahrt mit der Moorbahn. Und natürlich eine weite, fast baumlose Landschaft, deren Anblick vor allem Stadtbewohner immer wieder fasziniert. Urlauber, die ein originelles Mitbringsel suchen, sollten zu Schwarzbrot greifen, zum Beispiel bei „Meyer's Mühle“ in Vechta oder in der „Vollkornbäckerei Schulte“ in Saterland. Hier wird noch nach alter Tradition gebacken. „Ihr Brot ist so schwarz wie der Torf, den sie brennen“, notierte bereits im 18. Jahrhundert ein Schriftsteller, der das Saterland bereiste.

Kinder finden es allerdings viel spannender, selbst ein Brot zu backen. Möglich ist dies im Museumsdorf Cloppenburg. Es ist eines der ältesten Freilichtmuseen in Deutschland und das größte in Niedersachsen. Mit knapp 60 Gebäuden ist es tatsächlich ein kleines Dorf. Im Backhaus gleich neben der Wehlburg, einer repräsentativen Hofanlage, wird immer sonntags der Ofen mit Eichenholz vorgeheizt – nur eines von ganz vielen „Mitmach-Angeboten“. Auskünfte auch zu einzelnen Stationen auf der Boxenstopp-Route erteilt der Verbund Oldenburger Münsterland (04441/95650, www.oldenburger-muensterland.de).