"Vechta war schon immer eine feuchte Gegend" – mit dieser in jeder Hinsicht zutreffenden Feststellung eröffnet Petra Pekeler ganz trocken die vielleicht ungewöhnlichste Stadtführung im Oldenburger Münsterland. Bei einem abendlichen Streifzug mit der Gästeführerin durch die Gastronomie-Szene der Stadt Vechta erfährt man nicht nur Wissenswertes über die Stadt und ihre Geschichte, sondern auch über das Bierbrauen im Allgemeinen und unsere Trinkkultur im Besonderen.

Gut zwei Stunden, vier Kneipen und sieben Getränke später weiß man zum Beispiel, warum wir uns zuprosten. Oder warum der Bierkonsum im frühen Mittelalter viermal so hoch war wie heute. Oder wie man mit einer List und einem guten Tropfen endlich auch für Vechta den Dreißigjährigen Krieg beenden konnte. Die Bemerkung am Anfang bezieht sich übrigens weniger auf hiesige Trinkgewohnheiten, sondern auf den Namen der Stadt:

Er kommt vom althochdeutschen “Vecht“, also “feucht” – gemeint waren die früher ausgedehnten Moore in der Region.

Wobei sicher niemand leugnen würde, dass die Menschen am Rande dieser Moore schon immer recht trinkfest waren. Zahlreiche Brauereien und auch Brennereien sicherten die Versorgung. Davon zeugen noch heute das historische Brauhaus im Museumsdorf Cloppenburg oder traditionsreiche Kneipen wie die „Schankwirtschaft Knipper” (Lastrup) oder der Gasthof Hemmen“ (Löningen) – die ehemalige Brennerei ist heute dank ihrer Lage unmittelbar an der Hase ein beliebtes Ausflugsziel von Radfahrern. Wer ganz genau wissen möchte, wie ein Schnaps hergestellt wird, der sollte die Brennerei von Willibald Meistermann in Bakum ansteuern. Der ursprünglich rein landwirtschaftliche Betrieb wurde 1793 um eine Dampfkornbrennerei erweitert. Bis heute werden hier feine Korn-Spezialitäten produziert, Klassiker wie der „Weizen-Doppelkorn“ ebenso wie der nicht ganz so hochprozentige „Rhabarberlikör“. Einzelheiten lässt man sich am besten vom Firmenchef erläutern. Der Rundgang endet in einer Kneipe, die erst kürzlich – nach 368 Jahren – geschlossen wurde und nun nur noch als „Probierstube” dient. Ein besseres Ambiente für eine Verköstigung ist kaum vorstellbar.

Immer größerer Beliebtheit erfreut sich im Oldenburger Münsterland auch „Mooro“, ein Magenbitter, der 1954 von Gustav Schünemann, einem Apotheker aus Elisabethfehn, erfunden wurde und mittlerweile in vielen Gaststätten ausgeschenkt wird, selbstverständlich aber auch noch in der Apotheke erhältlich ist – rezeptfrei, versteht sich.